Déjà Vu

Diskussion der Spliff Songs und später auch der Solo-Werke.
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Déjà Vu

Beitrag von Magie » Dienstag 3. April 2007, 20:25

Der rote Malchus ist wieder an Deck und empfiehlt einen kleine Törn.

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Roter Hugo
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Re: Déjà Vu

Beitrag von Roter Hugo » Montag 9. April 2007, 14:29

Was für ein Schock!

Ich hatte schließlich die klassische Rockmusik der Radio Show geliebt. Und der nächsten Spliff-Scheibe so lange entgegengefiebert, endlich ist sie da.
Und dann das: elektronisches Schlagzeug, deutscher Gesang, ja aber was war denn mit "Rock is a Drug"??? Mir kam das alles zunächst mal sehr steril vor, den Potschka hatten sie irgendwie angebunden, durfte nur vereinzelt mal ein bißchen brettern. Und den Text: was war das denn? Ah ja, der Kellner spielt Klavier, das Land kommt nie zurück und wir warten bis die Zeit vergeht ?????

(Das war natürlich nur der damalige erste Eindruck, nur erstmal um die Diskussion etwas anzuschieben.)
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Re: Déjà Vu

Beitrag von sternenmillionär » Donnerstag 12. April 2007, 20:37

take the English-waste-version!!!da spielt keiner klavier...sprachwissenschaftler haben ihre freude an beiden 85555!!!

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Re: Déjà Vu

Beitrag von priss » Samstag 14. April 2007, 08:58

Jaaa - "Déjà Vu"! Wohl noch in 50 Jahren wird man Spliff und Mitteregger mit diesem Song assoziieren!

Mein Weg zu "Déjà Vu" und "85555" war auch kein direkter. Im Herbst 81 waren Spliff Headliner einer Sendung namens "Rockpop in Concert" im ZDF. Thomas Gottschalk kündigte die Spliffer damals mit einem "neuen Programmm" an. Natürlich ging es dann mit dem Simmonsdrums von "Déjà Vu" los. Ich fands interessant - aber gepackts hats mich seinerzeit nicht. "Jetzt machen Spliff auf NDW" - hab ich damals gedacht. Erst "Herzlichen Glückwunsch" (der Song und das Album) erinnerten mich wieder mehr an die Radioshow. Ich besorgte mir das Album und habe es sicherlich ein Jahr lang jeden Tag mindestens einmal gehört - ich war und bin bis heute fasziniert davon! Erst DANACH besorgte ich mir "85555" - und musste erkennen, dass es genauso gut ist!

Simmonsdrums wurden weltweit bekannt durch die Band Saga (Album "Worlds Apart") und ihren internationalen Hit "Wind Him Up". Zeitgleich setzte sie auch schon Mittergger ein - ein Beleg dafür, dass Spliff nicht nur musikalisch, sondern auch technisch immer auf der Höhe der Zeit waren. Reinhold Heil sagte einmal, dass Spliff immer gerne das neuste, beste und teuerste Equipment verwenden. So wurden zumindest MIR Simmonsdrums durch Saga und Spliff bekannt. Und es wird auch klar, in welchem Musikstil sie am besten aufgehoben sind: Rockmusik mit starken Keyboards.

Musikalisch gsehen nimmt "Déjà Vu" den "Crossover"-Stil um gut 10 Jahre vorweg: Die Nummer startet nach dem Drumintro mit einem brachialen Hardrock-Riff, geht dann in die etwas weichere, aber dafür sehr funkig gespielte Strophen-Sektion über (Mannes geslappter Bass - ein Jahr BEVOR Level42/Mark King in Deutschland bekannt wurden!), um dann in einem (geflüsterten!) Refrain mit äußerst sophisticated gespielten Jazzchords zu münden. (Der Kritiker Kurt Kölsch sprach damals von einem "Hardfunk-Böller".) Hinzu kommen Reinholds Soundeffekte wie z.b. die kreischenden Bremsen!

Über den surrealen Text ("Ich bin jetzt raus, jetzt steh ich hier, das Wasser riecht nach Gift, ein toter Vogel kommt vorbei und stirbt, ein Kellner spielt Klavier...") habe ich wirklich jahrelang nachgedacht. Der Titel "Déjà Vu" verweist ja auf ein psychologisches Phänomen, das ernsthaft erforscht wird. Nun, Spliff waren eine Band, die (auch) über Drogen sangen (nomen est omen). Z.B. in "Duett Komplett": "Sie zieht Speed - im roten Kadett - rauf auf den Spiegel und weg - sie lässt mich nie wieder weg". (Mich hat immer gewundert, dass Zeilen wie diese unzensiert im Radio gespielt wurden.) Drogen haben in der Geschichte des Rock immer eine (z.T. auch positive, weil Kreativität steigernde und Bewußtseins erweiternde) wichtige Rolle gespielt. Ich vermute, Herwig beschreibt einen Drogentrip mit all seinen Bildern, Gerüchen und Klängen. Er singt den Song aber derartig hochnäsig und arrogant, so als ob er all "das" schon erlebt und hinter sich habe - und letztlich auch damit fertig ist. So erklärt sich dann der Titel "Déjà Vu".

Ist das alles - Rock, Funk, Jazz, surreal-verschlüsselte Lyrics und Reinholds kreischende Bremsen - alles zusammen in EINEM Stück! - überhaupt miteinander vereinbar? Eigentlich nicht - aber bei Spliff haben solche Husarenstücke zwei Alben lang glänzend funktioniert. Und so wurde "Déjà Vu" ein großer Hit in Deutschland.

Möglicherweise lag dies an dem NDW-Umfeld in dieser Zeit. NDW war ja ursprünglich eine starke Keimzelle für viele gute und frische musikalische und textliche Ideen - bevor es dann von der Industrie kommerzialisiert und somit zerstört wurde.

Zurück zum Anfang. Trotzdem: Viele alte Spliff-Fans haben den o.g. Kurswechsel nicht mitgehen können. Auf den Konzerten der "Herzlichen Glückwunsch"-Tour gab es nicht wenige, die immer noch laut nach der Radioshow brüllten. Dies war eine "Last", die Spliff bis zum Ende mit sich herumtrugen...
Zuletzt geändert von priss am Mittwoch 18. April 2007, 12:40, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Déjà Vu

Beitrag von Roter Hugo » Samstag 14. April 2007, 14:07

priss schrieb ( <span style="font-size:8pt;">» zum Beitrag</span> )
Spliff waren eine Band, die (auch) über Drogen sangen (nomen est omen). Z.B. in "Duett Komplett": "Sie zieht Speed - im roten Kadett - rauf auf den Spiegel und weg - sie lässt mich nie wieder weg". (Mich hat immer gewundert, dass Zeilen wie diese unzensiert im Radio gespielt wurden.)


Nicht zu vergessen "Disco Caine" oder auch "Hermann hieß er" aus NHB-Zeiten, wo schon lange vor "Duett komplett" negative Drogenerfehrungen geschildert wurden. Neu ist dieser direkte Drogen-Tod-Bezug: "die Leiche stinkt nach Shit, wie ´n weißer Engel, schön wie Schnee, hängt er da.....", vielleicht auch eine Erfahrung aus dem Bekanntenkreis ?
Denke schon, daß sie ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu mood altering chemicals hatten. Im Auftrag des Gesundheitsministers als Vorbilder für die Jugend waren sie sicher auch nicht unterwegs...
Und bis heute: Manne mehrfach geäußertes "immer noch Bock auf Spliff" und Herwigs Beteiligung an Marie-Johanna von Knutson läßt sie jedenfalls nicht als ausgesprochene Vorreiter im Kampf gegen Drogenmißbrauch erscheinen.
Wo wir gerade beim Thema sind "sie sind nämlich hinter dir her, du alter Kiffer. Dabei geht ihre Gesellschaft am Alkoholismus zugrunde".
Aber das ist wiederum ein Thema für sich....
Zuletzt geändert von Roter Hugo am Samstag 14. April 2007, 14:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Déjà Vu

Beitrag von priss » Sonntag 15. April 2007, 12:02

Genau, Roter Hugo - in diese Liste gehört irgendwie auch noch "African Reggae"...

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Re: Déjà Vu

Beitrag von sternenmillionär » Dienstag 8. Mai 2007, 20:08

da muß ich doch noch mal etwas senf drauf geben. DEJA VU ist ja einer dieser ultimativen songs der 80-er und untergegangen, weil CARBONARA ja den sommer heiß machte, damals. ich höre wieder und wieder das KEEP ON, die gratiszugabe des AGITATION FREE-albums 99, wo potsch ja produziert und seine finger drin hatte. die guit.arrangements sind dort so genial platziert; DEJA VU nie mehr zurück? das ganze erinnert frontal an die harten riffs, die potsch 82 eingespielt hatte. man möchte eigentlich mehr, noch viel mehr davon.immer mehr. möglichst mit kreischenden bremsen.reinhold, schalt die bremse an.sssss

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Re: Déjà Vu

Beitrag von Magie » Mittwoch 9. Mai 2007, 11:05

Habe ich nicht irgendwo hier im Forum gelesen, Herwig habe den Song über die "SPD" geschrieben? Das würde zu seinen anderen politischen Stücken passen.
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Re: Déjà Vu

Beitrag von Gast » Samstag 12. Mai 2007, 16:52

Habe ich nicht irgendwo hier im Forum gelesen, Herwig habe den Song über die "SPD" geschrieben? Das würde zu seinen anderen politischen Stücken passen.




Wohl von einem Spliffer und Roter Hugo

Gruß Chio



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Re: Déjà Vu

Beitrag von Chris » Freitag 22. Juni 2007, 14:31

Priss seine Analyse finde ich sehr treffend. Du erwähnst Mark King und Level 42. Die sind bis heute neben Spliff, The Fixx und den Tubes meine Favoriten. War im November letzten Jahres beim Konzert von Level. Gut wie immer. Mike Lindup ist auch wieder dabei.
Schreib dein Leben auf ein Stück Papier und warte bis die Zeit vergeht.

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