Kein Mut Kein Mädchen

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Magie
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Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von Magie » Freitag 4. April 2008, 16:56

Los geht's!
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Re: Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von LunaLunaFan » Freitag 4. April 2008, 19:57

Hallo, ich bin der Neue!

Lese hier schon recht lang mit, aber zu KMKM wollte ich mich jetzt doch mal äußern. Ausserdem freu ich mich wie Bolle auf die neue CD, und ich finde schon jetzt, dass der WWW-Auftritt für die Insolito doch irgendwie typisch ist ("Lass Dir nix erzählen Mann" - super :-)

Also, KMKM ist finde ich ein echtes Meisterwerk - und ziemlich unterschätzt.

Highlights sind schwer zu sagen.
Der Knaller ist sicher Rudi (hab ich mal Live erleben dürfen - einfach nur ne geniale Performance von Herrn Mitteregger :-), aber jeder Titel hat irgendwie seinen Platz auf der Platte.
Die Schallplatte ist damals wochenlang nicht vom Plattenteller runtergekommen :-)

Gehört für mich absolut zu den Perlen der Deutschen Rockgeschichte.

Viele Grüße
LunaLunaFan

PS: Übrigens: Das mit dem Countdown ist echt ne witzige Idee :-) Leider hab ich aber immer noch nicht alle HM CDs.....

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Chris
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Re: Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von Chris » Sonntag 6. April 2008, 21:19

Also das Cover von KMKM war schon mal ein guter Opener. Die Scheibe passte prima in meinen Leben damals. Kalt wie ein Stein war geil getrommelt. Rudi war geil ausgeknobelt. Du und ich war geil für 2.

Herwig merkte man in diesem Album an, das er richtig Spass hatte mal alles selbst zu machen. Aber man merkte auch das er noch den Geruch seiner 3 Kumpels hatte. Fury´s Ausritt war also noch nicht so weit.
Zuletzt geändert von Chris am Sonntag 6. April 2008, 21:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von Magie » Samstag 12. April 2008, 14:54

Jetzt geht es aber offiziell los - wir haben gewartet, bis die Zeit verging.
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Re: Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von Chris » Montag 14. April 2008, 15:39

Hmmmh, war eigentlich bei KMKM auch ein Aufkleber wie bei "Immer mehr" dabei? Der klebte damals auf meinem Ford Capri. (ja, tschuldigung;-))
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Re: Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von priss » Montag 14. April 2008, 17:55

Part 1

„Kein Mut – kein Mädchen“ – wenn man mich nach meinen 5 Inselplatten fragen würde: Diese Scheibe wäre unter Garantie dabei! Von den vier Spliffern waren mir Herwig und Reinhold immer die etwas „näheren“. Und was habe ich mich gefreut, als Herbst 1983 (nach der grandiosen Spliff-Scheibe „Herzlichen Glückwunsch“) mein Lieblingsspliffer eine Soloscheibe herausbrachte: Den Kopf zwar noch voll in der „Spliff“-Luft – aber Herwig mit all seiner Aggressivität, seiner Intelligenz und Ideen, seinem Zynismus und Pessimismus jetzt im Vordergrund!

Als bekannt wurde, dass Herwig eine Soloplatte gemacht hat, vermuteten seinerzeit viele Musikjournalisten, es handele sich wohl um eine Schlagzeugplatte. Kaum jemand hatte dem eine Platte mit derartig guten Songs und so tiefgründigen Texten zugetraut: „Mitteregger – das ist doch der kleine Schlagzeuger bei Spliff!“ Weit gefehlt! Mit KMKM wurde ENDLICH klar, was sich beim genauen Lesen der Credits der Spliff-Platten schon längst abgezeichnet hatte: Nämlich dass Herwig – neben all seinen anderen Fähigkeiten – ZUALLERST ein brillianter Song-Schreiber ist, einer der besten, die man in Deutschland hat!

Warum ich diese Platte so schätze: Die Songs sind voller Vitalität, Musik und Text treffen auch heute noch mit jedem Ton, mit jeder Silbe auf den Punkt, die Arrangements klingen warm und kraftvoll, sind dabei oft sehr originell und unkonventionell. Ein Beispiel: Herwig arbeitet gerne mit 2 Ebenen Schlagzeug: Drumcomputer + Live-Schlagzeug. Auf „Kalt Wie’n Stein“ sind die Maschinengewehrartigen Breaks vom Computer, die Swingbeats von Herwig. Ein weiters Beispiel: In „So Oder So“ kommen Stimme und Bass pro Takt jeweils aus einer anderen Stereobox. (Konventionell gehört der Bass in die Mitte des Stereoklanbildes. Bei Herwig kommt der Synthbass immer von ganz links oder ganz rechts) So gesehen „fliegt“ dem Hörer das Stück regelrecht „um die Ohren“.
Herwig soll die Platte nur mit einem Synthesizer – einem Roland Juno 60 – eingespielt hat. Dies ist ein kleiner analoger Synthesizer mit relativ wenig Möglichkeiten, aber dafür einem sehr warmen und runden Sound. Und genauso klingt die Platte auch! Leider lässt sich dies nicht immer mehr über die nachfolgenden Scheiben sagen... Herwigs Fähigkeiten an Gitarre und Bass mögen limitiert sein – aber gerade die Gitarren klingen großartig. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich die Gitarre im Schlussteil von „Rudi“ höre! Besser lässt sich positive Aggression und Wut nicht in Musik fassen! Herwig hat die Platte ganz allein im Sommer im nicht klimatisierten Spliff-Studio aufgenommen – nur Imre Sereg (Spliff-Tonmeister) hat beim Aufnehmen geholfen. In einem Interview habe ich gelesen, dass Herwig sich beweisen wollte, dass er auch ganz allein „virtuos“ sein konnte.

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Re: Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von priss » Montag 14. April 2008, 17:56

Part 2

Aber jetzt zu den Songs:

„In Kreuzberg“ geht es um den Stadtteil, in dem Herwig längere Zeit gelebt hat: Ein Stadtteil mit hohem „Migrantenanteil“ – mit Leuten voller Träume auf ein besseres Leben als das, was sie in ihrem Heimatland nie hatten. Toll, wie sich Herwig nicht mit längenden Intros aufhält und sofort zur Sache kommt!

„So Oder So“ zeigt Herwig zuerst nach seiner großen Depression: Gedanken an Selbstmord „Das Wasser war zu kalt, die Tabletten zu teuer, und ein Messer viel zu schwer, Pistolen konnt ich mir nie kaufen...“ und dann wieder „komm, wir gehen uns küssen, bis der Himmel brennt“. Banale, aber sehr richtige Aussage: SO oder SO ist das Leben. Auch hier: Kein großes Intro, sondern ein geiler Funkrockgroove mit den„aufgezogenen“ Trommeln aus der Maschine!

Wie Reinhold glaubt wohl auch Herwig nicht (mehr) an die Institution „Ehe“. Deswegen geht er lieber „Heiraten auf der Toilette“ (während der Pfarrer predigt und Leute beten) und vernascht ein Groupie. Eine Nummer, die an Ironie kaum zu überbieten ist – großartig! Die einzigen Töne am Schlagzeug, die Herwig selbst mit der Hand spielt, sind die paar Schläge zu Beginn der Nummer - der Rest ist Maschine. Von wegen „Schlagzeugplatte“!

„Kalt Wie’n Stein“ – das ist DER Soundtrack von Herwigs Depression nach seiner Scheidung. „Allein auf einem Seil, hoch oben in der Luft, ich wär so gern bei dir... O mein Gott tut das weh, wenn ich das sehr, wie Du neben ihm gehst, mitten in die leere Welt...“. Aber Herwig prügelt sich völlig entfesselt den Frust am Schlagzeug aus dem Leib – so einen brachialen Schlagzeugsound habe ich später nie wieder gehört!

„Ocean“ – wieder ein Song über die grosse Depression. Das Intro ist an Dramatik und Düsternis kaum zu übertreffen. Auch hier prügelt sich Herwig erst einmal den Frust aus dem Leib, bevor der Song richtig losgeht. Aber der Refrain erscheint zunächst ein wenig tröstlicher: Man setzt gemeinsam die Segel, um auf den Ocean zu fahren. Ein Fahrt in eine schönere Zukunft oder in den Tod?

„Du Und Ich“ ist der Song für Herwigs Tochter Dinah (damals ungefähr 12 oder 13 Jahre alt), die die Scheidung der Eltern sehr bewusst mitbekommen hat. Ein ergreifenderes Liebeslied eines Vaters an seine Tochter habe ich danach nie wieder gehört.

Mit „Deutsche Läuse“ kann ich bis heute wenig anfangen, dafür aber viel mehr mit „Rudi“: Welcher große deutsche Songschreiber – von Grönemeyer, Westernhagen, Lindenberg, Maahn, Lage und wie sie alle heißen – hat jemals einmal einen Song über etwas so privates wie seine eigenen quälenden Selbstzweifel und das eigene Über-Ich geschrieben? Das Arrangement des „Songs“ (?) ist guten Gewissens als „unkonventionell“ oder „experimentell“ zu bezeichnen. Bei all dem Erfolg, den Spliff und Herwig damals hatten: Herwigs innere Stimme und fremde Stimmen flüstern ihm dennoch ständig ein: So toll ist das alles wirklich nicht – „lass es sein“. Und als er dann am Tiefpunkt angelangt ist („Lass es sein mit Der Gitarre“ – gleichbedeutend mit „Lass es sein mit der Musik“), fängt ein holpernder Groove ein, ein Bass stöhnt orientierungslos herum, und Herwig knallt mit seiner Gitarre in den Song hinein! Dies ist Herwigs dramatisch inszeniertes mentales „Aufstehen“ - einfach großartig! Nebenbei: Diese Funktion hat Musik auch oft für mich.

In einem Spliff-Interview des „Fachblattes“ mit Manne habe ich gelesen, dass Manne und Reinhold anfänglich sich ziemlich geärgert haben, als KMKM herauskam: So viele gute Songs, die NICHT auf eine Spliff-Platte kommen! KMKM hat seinerzeit hervorragende Kritiken erhalten, sie hat sich weiterhin sehr gut verkauft und Herwig verdientermaßen in die Topliga deutscher Songwriter geschossen.
Zuletzt geändert von priss am Montag 14. April 2008, 18:54, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von Chris » Montag 14. April 2008, 21:07

Hervorangend deine Interpretation Priss. Sie basiert auf Fachwissen und sehr guter Beobachtung. Was ich dir immer wieder unterschreiben würde ist, das Herwig im Grunde seinen künstlerischen Output hauptsächlich aus der Mischung von Agressivität und Intelligenz schöpft. Gerade bei KMKM bemerkt man diesen Dampf, den er auf seinem Kessel hat. Man schmeckt die "Zitronenrhetorik" dieses hageren Mannes.
Die nachdenklichen Nummern sind von dir genauso treffend beschrieben.
Klasse Mann!
Zuletzt geändert von Chris am Montag 14. April 2008, 21:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von Spliffer » Montag 14. April 2008, 21:30

Leck mich am A... ist das Genial beschrieben...

Ein Priss wieder mal in Hochform.Nur auf Grund der...ja...äh zurecht Ultimative Lobhudelei.

Hör ich die CD gleich noch mal.

Ich weis nicht wie oft ich das schon gesackt habe,aber ich wiederhole es noch mal sehr gerne.

Du solltest,Plattenkritiker,oder den Job von Andy Eder machen.

Ich kann gar nicht positiv genug schrieben und freue mich schon auf die anderen Sachen die da noch von dir hoffentlich kommen.

Aber noch mal ne Frage woher weist Du das mit dem,wann Herwig live spielt und wann die Maschinen? Hörst du das raus?
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Re: Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von priss » Dienstag 15. April 2008, 07:37

@Spliffer

Danke für die Blumen. Da ich seit Anfang der 80er Musik mit anderen Leuten mache (siehe auch www.twango.com/channel/moogist.public ,siehe auch www.priss-musik.de)und selbst Synthesizer und Drumcomputer verwende (z.T. auch dieselben Sachen, die Spliff benutzt haben), weiß ich wie die Maschinen und wie die Menschen klingen. Meine Unterscheidungen Mensch - Maschine habe ich (sehr deutlich) herausgehört.
Zuletzt geändert von priss am Dienstag 15. April 2008, 07:42, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von Spliffer » Dienstag 15. April 2008, 21:16

@Priss
Super von dir jetzt weis ich auch warum Du (ich sag nur 80)die Sachen so gut Analysieren kannst, du kannst es jetzt ruhig zu geben,denn die Lösung ist ganz einfach.Du bist der Komponist und Texter Von SPLIFF und HERWIG Mitteregger.Jetzt ist es raus,ne mal im ernst die Sachen so gut zu Analysieren muss man ja fast der Schreiber sein.

Interessant finde ich
priss schrieb:...weiß ich wie die Maschinen und wie die Menschen klingen. Meine Unterscheidungen Mensch - Maschine habe ich (sehr deutlich) herausgehört.


die Sache,da Herwig 1984 oder 85 in einem Interview im Fernsehn (HR3)seinen Interviewpartner gesagt hat:"ich wette das wenn ich eine Maschine programmiere hört die sich so an als ob ich sie selber spiele"

Wie gesagt freue mich auf mehr von deinen sachen...

@Magie sorry das ich schon wieder so aus schweife,bin zwar kein SM-Type aber so langsam habe ich echt ein parr Strafpunkte verdient.Ich muss mich hier auch mal an die regeln halten.

Nehme jeder Strafe an auser das ich die Neue Herwig MITTEREGGER cd nicht hören darf das währe Folter.
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Re: Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von Roter Hugo » Dienstag 15. April 2008, 22:19

Also Blumen hat er ja nun reichlich, der priss, allerdings zu Recht, kann da meinen Vorschreibern nur zustimmen. Habe mir gerade die ganze Platte nochmal angehört und hatte mir fest vorgenommen, die eine oder andere -laienhafte- Anmerkung zu machen. Forget it, steht alles oben schon geschrieben, besser und prägnanter als ich es je vermocht hätte. Trotzdem kann ich mir es nicht verkneifen:

- Sieht so aus, dass er die Platte nicht IN der Depression geschrieben hat, sondern NACH dem Überwinden der Depression, möglicherweise hat auch die Platte selber zum Überwinden des Tiefs zumindest mit beigetragen. Für mich entwickelt die Scheibe gerade aus der Spannung zwischen Depression, Tief, Pessimismus und Aufstehen, Überwinden, Weitermachen mit neuer (ALLEINE, SELBST entwickelter) Power ihre überwältigende Wirkung.

- Was noch nicht explizit erwähnt wurde, ist der gehörige Schuß Selbstironie in "Rudi"s Selbstgesprächen. Diese kleinen Sprachschnipsel "Mokant die Äußerung, mokant", "Appreciate Your Smile", "Riesig, Alter, riesig" waren ja damals zumindest in meinem Freundeskreis vielzitierte, humorige Bonmots. (Bis heute fahre ich nur Fahrrad, weil das so schön langsam ist Bild ) Auch hier ist die Spannung zwischen den vorhandenen Selbstzweifeln und der hintergründig-ironischen Verarbeitung derselben die Energie, die ein langsames, ruhiges Stück wie "Rudi" ausstrahlt. Kulminationspunkt dieser knisternden Spannung ist dann natürlich das "Lass es sein mit der Gitarre" dem die krachende Gitarre als verklingender Schlußpunkt folgt.
Zuletzt geändert von Roter Hugo am Dienstag 15. April 2008, 22:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von Steffen » Mittwoch 16. April 2008, 17:57

Ich war 13, als die Platte rauskam. Und ich konnte damals gar nicht verstehen, warum einer aus ner Band sowas wie eine Solo-Platte macht - wenigstens war ein Aufkleber mit "Ein SPLIFFER kommt allein!" drauf. Den Album-Titel "Kein Mut, kein Mädchen" fand ich auch sehr seltsam. Was wollte er nur damit sagen? Bild

Aber viele seiner Texte waren ja damals für mich als Pubertäts-Anwärter eh nicht wirklich deutbar. Aber ich fand das damals schon besser als platte Phrasen. Musikalisch gab es für mich einige Schocker, wie "Heiraten" in Ösi-Deutsch, oder das unheimliche "Rudi". Unheimlich (oder befremdlich?) fand ich auch den Chor im Refrain von "Kreuzberg". Am ehesten Zugang fand ich zunächst zu "einfachen" Nummern wie "So oder so", "Ocean" (warum mit "c"?) und "Du und ich".

Da ich bisher nur Spliff-Sound gewohnt war, hatte ich zunächst etwas Probleme Herwigs Synthie-Sounds zu akzeptieren, ebenso den Sound der Gitarre. Mittlerweile kann ich mir das aber gar nicht mehr anders vorstellen. Auch hatte ich bemerkt, dass seine legendären Simmons-Drums fehlten. Inzwischen denke ich, dass trotz sehr unterschiedlicher Nummern, die Homogenität der Platte auf ein sehr reduziertes Arsenal von verwendetem Instrumentarium zurückzuführen ist.

Jedefalls ist das - wie für viele - nach wie vor meine liebste Mitteregger-Scheibe. Er hat viel experimentiert, sowohl mit seiner Stimme, als auch mit Arrangements und Produktion. Aber trotzdem strotzt die Scheibe vor guter Melodien, Hooklines und spannender Momente. "Deutsche Läuse" ist zwar auch eine lässige Nummer, aber es ist der einzige Song, den ich nicht zwangsläufig auf der Platte vermissen würde. Damals kam ein Album auch noch mit acht Nummern aus...

"Ocean" wurde übrigens von den Spliffern auf der 84er Tour gespielt.
Bon Voyage, Manne!
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Re: Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von spliffco » Donnerstag 29. Mai 2008, 10:29

sein debüt album ist ein super start gewesen in eine gute solo laufbahn, es ist allerdinsg schon schade das dies nicht ein spliff album gewesen ist

aber es ist gut das herwig der musikwelt erhalten ist
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Re: Kein Mut Kein Mädchen

Beitrag von hans-jürgen » Samstag 31. Mai 2008, 08:14

"Deutsche Läuse" ist eins meiner Lieblingsstücke von Herwig, obwohl - oder gerade weil - er da einfach AC/DCs "Crabsody in blue" einen deutschen Text verpasst.
ZZee ya, Hans-Jürgen
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