Immer mehr

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Beitrag von Magie » Samstag 19. April 2008, 11:58

Wenn sich die neue CD so gut verkauft, "dann werd ich endlich Millionär".
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Chris
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Re: Immer mehr

Beitrag von Chris » Samstag 19. April 2008, 17:02

Ich wünsch mir es wär wieder mal Sommer... kann ich nur unterstreichen nach den letzten Monaten Schmuddelwetter. Nach "Immer mehr" und "Nie mehr allein" gefiel mir eigentlich "Mein Klavier" am besten. Das Cover war mal wieder gelungen. Es kam mir auf dieser Scheibe so vor, als wenn Herwig von seinen Möglichkeiten an den vielen Knöpfen seiner Keyboards herumzudrücken ordendlich Gebrauch gemacht hat.(Mit Hilfe von Herrn Kochbeck) Daraus wurden dann instrumentelle Passagen und neue Klangteppiche. Apropos Kochbeck, habe ich mal als "Georgie Red" live gesehen. War locker und funky!
Zuletzt geändert von Chris am Samstag 19. April 2008, 17:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Detlef
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Re: Immer mehr

Beitrag von Detlef » Sonntag 20. April 2008, 17:23

Ich habe sie heute nach sehr langer Zeit wieder gehört.Dem Album hört man es an, das es Herwig offenbar sehr viel Spaß gemacht hat dieses Stücke einzuspielen. Auch wenn die Themen nicht immer so himmelhochjauchzend sind. Z.B.:"Nie Mehr Allein". Toller Text: "Ich küss den Himmel, sie werden mich nie wieder sehen". Ich muss gestehen, diese Zeilen berühren mich immer noch sehr.

Auch auf "Insolito" beschäftigt er sich mit Themen wie Tod, Verlusten und nimmt sich selbst auf die Schippe bei "Chrosmaister".
Roter Hugo schrieb vor kurzer Zeit das Udo Lindenberg die Messlatte sehr hoch gelegt hat. Das Album steht auf Platz Eins. Vielleicht steht der deutsche Hörer wieder auf gepflegten Deutschrock. Ich glaub, die Zeit ist wieder reif dafür.

Und Herwig wird auch diese Hörer wieder bedienen. Er ist mit Lindenberg überhaupt nicht zu vergleichen.


"...als wär es zu leicht, als wär es zu easy...." :-)))))

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Re: Immer mehr

Beitrag von Roter Hugo » Donnerstag 24. April 2008, 00:12

Auch ich habe mir die CD gerade nochmal angehört, sicher das erste Mal am Stück nach vielen vielen Jahren. Bin geradezu überrascht, wie gut sie mir gefallen hat. Kann jetzt keine genaue Analyse abgeben, aber nur so viel:

Von vorne an hat die Platte mich in den Bann gezogen und ich dachte: Platte, warum läßt du nicht los? Die Musik ist halt wie ein bester Freund, sie läßt einen nie mehr allein. Ich laß mich fallen, ich sink in deinen See. Millionär oder Bettler, eins ist gleich, wenn man es ist: irgendwie verliebt. Aber es ist spät: soll ich, oder soll ich nicht endlich ins Bett gehen und mein Klavier im Traum weiterspielen.
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Re: Immer mehr

Beitrag von spliffco » Donnerstag 24. April 2008, 11:27

also ich finde das album, wie auch die anderen von herwig, super gelungen, klar es gibt auf jedem album ein lied das jemanden besser gefällt, aber es ist doch immer schön die musik von herwig zu hören, ich für meinen teil kann nur sagen das mir die lieder viel geben, und der song "von vorne an" ist eine art lebenseistellung, denn sehr oft im leben muß man wirklich von vorne anfangen um sein ziel zu ereichen.

ich hoffe die neue cd von herwig ist auch so gut wie die anderen von ihm, so gut wie man es von ihm gewohnt ist und erwartet.
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Re: Immer mehr

Beitrag von Steffen » Freitag 25. April 2008, 20:51

..."Immer mehr" ist wohl das selbstbewussteste Album von Herwig. Ziemlich fett und für damalige Verhältnisse "hip" produziert, dürfte es auch sein erfolgreichstes gewesen sein. Passend dazu scheint es auch, dass er "echte" Instrumentalisten hat einspielen lassen.

Die Texte sind nicht mehr ganz so kryptisch, eher direkt, was mir damals etwas die aufregende Mystik, die ich mit der Person Mitteregger verbunden habe, geraubt hat. Aber Mittereggers Gespür für schöne, unverkrampfte Melodiebögen ohne Plattheiten sind auch hier noch ausreichend vorhanden.

Meine Lieblingsnummern von damals sind eigentlich immer noch die selben: "Nie mehr allein", "Sink in deinen See" und "Von vorne an". Schlusslicht: "Bester Freund" - das war mir immer einen Tick zu seicht. Die Tracks zwischendrin sind zwar auch nicht schlecht, waren mir aber entweder zu "normal" ("Soll ich?", "Warum lässt du nicht los?") oder wirkten etwas "aufgesetzt" ("Millionär", "Mein Klavier").

Dass der Titelsong so erfolgreich war, hat mich zwar gefreut, aber das hat Herwig auch eine Spur überheblich gemacht - so war's zumindest mein Eindruck. Letztenendes dürfte das auch der Grund für das Aus von Spliff gewesen sein - es dürfte ihm unendlich schwer gefallen sein, sich wieder zurück in das Kompromiss-Kollektiv zu begeben.

Was ich nie ganz verstanden habe: Wieso unterscheidet sich die Track-Reihenfolge von Vinyl & CD? Hätte die CD-Version auf zwei Vinyl-Seiten nicht funktioniert?
Bon Voyage, Manne!
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priss
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Re: Immer mehr

Beitrag von priss » Montag 28. April 2008, 17:53

Tja, nach dem genialen „Kein Mut Kein Mädchen“ habe ich mich gefragt: Was kann DANACH noch kommen? Es kam Spliffs „Schwarz Auf Weiß“, was die Frische der vorangegangenen Spliff-Alben leider etwas vermissen lies – also kein Aufgreifen und Fortführen des „KMKM“- Geistes. Und dann kam „Immer Mehr“. Ich habe mich sehr gefreut, dass Herwigs Solokarriere offensichtlich weitergehen sollte. Meine Erwartungen waren natürlich riesengroß. Als ich die ersten Schrammelakkorde von „Von Vorne An“ hörte, war ich etwas enttäuscht: Das hörte sich ja ganz schön konventionell nach ehrlich-solidem Deutschrock an. Aber dann habe ich Herwigs Songmotto beherzigt und eingesehen: Hier fängt jemand oder etwas wirklich wieder ganz von vorne an. Die Platte ist im Gegensatz zu KMKM wesentlich optimistischer, Herwig hat seiner Depressionen überwunden und arbeitet nun mit einer Band von Musikern, die mit ihm auf Augenhöhe spielen (sollen). Das gelingt nur zum Teil. Ich glaube, dass Herwig am radikalsten das „Kollektiv“-Prinzip (im Gegensatz zu den anderen Spliffern) innerhalb eines Band-Verbundes vertritt. In einem Interview des „Fachblattes“ habe ich gelesen, dass Herwig mit den Musikern Conti, Kochbek und Co. zuerst im Proberaum herumgejamt hat. Die hätten aber so „normal“ und „konventionell“ gespielt, dass Herwig sie erst heftig dazu hat animieren müssen, auch einmal experimentell und unkonventionell zu spielen. Das hört man der Platte ein bisschen an: Die schrägen Keyboardsounds gegen Ende von „Warum Lässt Du Nicht Los“ klingen ein wenig aufgesetzt. Einen Reinhold Heil hätte Herwig wohl nicht erst groß animieren müssen: Der spielte und spielt derartig eigenständig und originell wie kein zweiter Keyboarder in Deutschland...

Anyway: „Immer Mehr“ zeigt Herwig als Spezialisten für extrem warmherzige und dabei nicht ins Kitschige abdriftende Balladen. Zu den Highlights:

„Sink In Deinen See“ ist eine fast progrockartiger Lovesong. Der Song beginnt langsam und atmosphärisch, steigert sich dann und gipfelt dann im letzten Refrain in einem gigantischen Trommeldonnerwetter, um dann in einem leisen und meditativem Synthesizeroutro auszuklingen – großartig! Mir gefällt auch sehr die ungewöhnliche Metapher des Songtitels.

„Nie Mehr Allein“ – hier beschreibt der unehelich geborene Herwig frühe Kindheitserinnerungen: Einsamkeit, Isolation, das Gefühl von Verlassenheit – und der dringende Wunsch, all dem zu entfliehen! „Ist der Himmel so hoch und die Wolken so heiß, da oben würd ich gerne sein... da oben wär ich nie mehr allein, nie mehr allein...“.

„Irgendwie verliebt“ – dieser Song lag schon lange „auf Halde“ und war ursprünglich für ein Ulla Meinecke-Album bestimmt. Hier ist die Keyboardarbeit von George Kochbek hervorzuheben: Auf seinem Synth spielt er einen schönen harfeähnlichen Sound. Zusammen mit den sparsam gesetzten und lang verhallten Trommeln bilden sich unheimlich schöne „Leerräume“ zwischen den Tönen (ähnlich wie bei „Labyrinth“ von „Schwarz Auf Weiß“). Dies und der schöne Text machen den Song zu einem der schönsten deutschsprachigen Balladen.

„Warum Lässt Du Nicht Los“ ist eine Anweisung an alle unglücklich Verliebten. Herwig weiß offensichtlich sehr genau wovon er singt – das merkt man besonders an der Textstelle mit den „Schritten im Treppenhaus“...

Die anderen Songs: „Bester Freund“ ist eine hübsche Ballade, ohne allerdings die Tiefe (sic!) von „Sink In Deinen See“ zu erreichen. „Immer Mehr“ ist ein netter Sommersong – nicht mehr. Nicht nur bei dem mächtigen Drumsound drängen sich Vergleiche zu Phil Collins auf: Herwig und Phil sind nicht nur hervorragende Drummer, sondern zugleich auch Sänger, Komponisten, Multiinstrumentalisten - und Experten für gefühlvolle Balladen. „Mein Klavier“: Da war die Idee, dass der Song zuerst daher klingt wie ein Liebeslied an eine Frau – aber erst im Refrain wird klar, dass das Klavier gemeint ist. „Millionär“ – eine hübsche Satire, bei der ich eine wirklich lustige Pointe bis heute nicht gefunden habe. „Soll Ich“ fängt ultraspektakulär an – und dann verpufft die Power leider etwas zu schnell.

„Immer Mehr“ bekam damals wie KMKM sehr gute Kritiken. Man hat Herwig zugute gehalten, dass er nicht noch einmal auf den „KMKM-Nagel“ geschlagen hat, sondern etwas ganz anderes gemacht hat: War KMKM noch eher hart und düster, hat „Immer Mehr“ mit seinen Balladen eine sehr optimistische Grundstimmung. „Immer Mehr“ brachte Herwig seinen ersten und einzigen echten Solo-Hit - damit war er auf dem Gipfel seiner Solokarriere angekommen!
Zuletzt geändert von priss am Freitag 2. Mai 2008, 18:02, insgesamt 1-mal geändert.

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