Wie im Leben

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Wie im Leben

Beitrag von Magie » Freitag 9. Mai 2008, 10:00

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priss
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Re: Wie im Leben

Beitrag von priss » Freitag 9. Mai 2008, 19:22

"Wie im Leben" war Herwigs erstes Album in CD-Format - obwohl es mit seinen gut 50 Minuten Spielzeit nicht viel länger ist als eine LP.

Mit "Wie Im Leben" ging es mit Herwig wieder künstlerisch bergauf. Ich finde, dass sich auf "Wie Im Leben" einige der besten Mitteregger Songs EVER finden - aber auch das ein oder andere grottige Werk. Produktionstechnisch ist die Scheibe hervorragend. Dies ist wohl nicht zuletzt der Zusammenarbeit mit dem Kölner Produzenten Micki Meuser zu verdanken. Der ist von Hause eigentlich Jazz-Bassist - aber schon Jahrzehnte als Produzent für "Die Ärzte", Ina Deter und viele andere (auch "Die Sendung mit der Maus") tätig. Der Sound der Platte ist glasklar. Der Hauptsynthesizer ist hier ganz klar die Korg Wavestation. Die erkennt man an den Stellen, wo durch verschiedene Wellenformen durchgemorpht wird. Beispiele: Das Intro von "Wie Der Wind" oder "Regen": Da geht das ganz schnell und abgehackt. In "Regen" hört man aber auch im Intro, wie sich eine Orgel in Streicher "verwandelt": Da hat man das Morphing ganz langsam und stufenlos eingestellt.

Herwig spielt auf fast jedem Song eine wunderbar klare (spanische?) Gitarre - er ist also wieder - trotz Jim Rakete;-) - zu diesem Instrument zurückgekehrt. Als ich ich "Wie Im Leben" zum ersten Mal hörte, fand ich, dass sich auch Herwigs Stimme verändert hatte: Er klang immer mehr nach Dylan. Das ist eine Tendenz, die sich bei "Aus der Stille" fortsetzte.

"April" war die erste Single der Platte - und floppte. Musikalisch war das Ding einigermaßen einfach. Aber der Text, über Abschied, Erinnerungen und Sehnsüchte hatte soviele Zwischentöne... das war wohl zu melancholisch für die Charts - leider!

"Unterwegs" - Herwigs erster und einziger Motorrad-Song! Da ich selbst Biker bin, kann ich den Text absolut "nachfühlen"! Herwig beschreibt hier wohl eine Fahrt bis zur Südspitze Spaniens ("auf der anderen Seite - Afrika"). Da hätte ich ihn gerne begleitet. Ein toller Song!

Weitere Highlights:
"Wie der Wind" - ein wunderbarer Song mit vielen leisen Zwischentönen. Thema: Eine Mann-Frau-Beziehung, bei der unklar ist, was beide wollen: Liebe oder Freundschaft. In solchen "ungeklärten Zwischen-Situationen" haben wir wohl alle schon gesteckt... Herwig bringt sie textlich und musikalisch absolut auf den Punkt.

Und dann kommt der Abstieg in die Abgründe der Seele - mit dem Überknaller "Regen"! Das ist ein Song (?) über einen Übergang von der einen Sphäre in eine andere: Es geht um eine Grenzerfahrung wie den Übergang von Koma und Wachzustand, Leben und Tod. Ich kenne keinen anderen deutschen Musiker, der sich bisher an so etwas herangetraut hat. Kongenial dazu haben Herwig und Micki mit der Wavestation aufregende Soundscapes kreiert. Interessant ist auch die musikalische Form der Strophen (?): Normal wären 4 oder 8 Takte - Herwig arbeitet mit 6 Takten. Herwig transzendiert den normalen deutschen Rocksong mit "Regen" MEILENWEIT!

Ein letztes Highlight - natürlich am Schluß der Platte: "Die Nacht". Ähnliches Thema wie in "Regen". Es geht um den Übergang in eine bessere (?) Welt. Vielleicht ist es auch ein Song über Todessehnsucht ("Halleluja, sag mir, soll es das gewesen sein, dann geh ich tanzen auf dem Wasser, da ist überhaupt nichts bei, nichts dabei... Hier draussen auf dem Wasser, wird es wieder hell, Fischer fahrn landeinwärts, auf die feste Welt..."). Der Song erinnert mich total an das Bild von Caspar David Friedrich "Mondaufgang am Meer" (http://www.philipphauer.de/galerie/casp ... r-1822.jpg). Vielleicht ist es sogar ein religiöser Song? Über Wasser gehen konnte meines Wissens nur einer...

Bei soviel Licht will ich auch den Schatten nicht verschweigen: "Menschen" ist vom Text her auf dem Niveau eines 15 jährigen Gymnasiasten. Ich finde den Song peinlich.

Annehmbar dagegen: "Party" (wohl ein Song über Herwigs generelles Lebensgefühl), "Schöne Frauen" (ein Song über Herwigs "Midlife Crisis"?;-)), und "Wo ist das Geld?" (eine nette Sozialsatire).

Ich fand es sehr schade, dass die Öffentlichkeit Anfang der 90er Jahre Herwig weitestgehend vergessen hatte. Das Album hätte m.E. wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Die unbefriedigenden Verkaufszahlen führten wohl auch dazu, das "Wie Im Leben" Herwigs letztes Album für die CBS war. Danach musste er sich einen neuen Plattendeal suchen.
Zuletzt geändert von priss am Mittwoch 28. Mai 2008, 18:31, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Wie im Leben

Beitrag von spliffco » Donnerstag 29. Mai 2008, 10:37

eins ist klasse an herwig, jedes album ist anders im stil, aber ich würde mir dennoch wünschen das er mal wieder ein echtes und reines rockalbum macht
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